Löwenzahn – Durchbruch und Transformation

Nun fliegen sie wieder, wie Schneeflocken, die weißen Schirmchen des Löwenzahns. Sehr kurz schien mir dieses Jahr die Löwenzahnzeit. Sehr schnell hat er sich gewandelt. Von den ersten Knospen, die sich aus der Wurzel schieben, über die strahlend gelben Blüten hin zu den filigranen Pusteblumen.

Wurzelkraft – Ahnenkraft

Den kalten Winter hat der Löwenzahn in der Erde verbracht und geruht. Seine Kraft in der Wurzel gespeichert, ganz bei sich selbst. Diese ruhende Kraft nehme ich gerne zu mir, wenn ich Tee aus den Wurzeln verkoste.

Vielleicht magst auch du dir eine stille Stunde nehmen und dich nähren lassen, dich wieder erinnern an deine eigene Wurzeln, dich erden, tragen und halten lassen. Und diese stille, lebendige Kraft in dir spüren, die werden und wachsen will, sobald die Sonne sie ruft.

Honigsüßes Leuchten

‚Bedürfnisse leuchten lassen‘ – das hab ich mal in einem Seminar gelernt. Und das lehrt mich auch der Löwenzahn. Mit seinen leuchtend gelben Blüten sieht man ihn schon von Weitem. Er versteckt sich nicht. Im Gegenteil. Von seiner Wurzel fest in sich selbst und in der Erde verankert und genährt, traut er sich kräftig zu leuchten.

Oft verstecken wir unsere Wünsche und Bedürfnisse, weil wir nicht anecken wollen, weil wir die Harmonie erhalten wollen. Aber was, wenn unsere Bedürfnisse keine Last sind, die wir anderen auferlegen, wenn wir sie äußern. Was wenn sie eine Einladung sind, miteinander in Beziehung zu gehen. Gemeinsam zu schauen, zu forschen, wie könnte es gehen. Und ist es nicht schön und auch für mich selbst so wohltuend, meine Fähigkeiten einzusetzen und Schönes zu bewirken?

Eine Last werden Wünsche erst dann, wenn wir einen Anspruch daraus machen und deren Erfüllung unbedingt erwarten. Das fühlt sich meist schwer und bedrohlich an. Für beide Seiten. Oder wenn wir uns überfordern, wenn wir meinen, alles erfüllen zu müssen.

Filigrane Träume

Echte Wünsche sind frei und leicht. In uns selbst verankert sind sie sogar im Körper spürbar. Kennst du dieses Kribbeln im Bauch, wenn du etwas willst, aber noch nicht weisst, ob und wie du es bekommst?

Ein schönes Gefühl, unseren Träumen Raum zu geben, sie in uns selbst da sein und groß werden zu lassen. Und sie dann wieder los zu lassen. Wie einen Pfeil, den wir abschießen. Oder wie der Löwenzahn seine Samen dem Wind überlässt.

Wenn die Schirmchen fliegen, wissen sie nicht, wohin der Wind sie trägt. Genau wie sie wissen wir nicht wo unsere Träume landen werden, wo sie einen Platz im Leben finden und nährenden Boden. Oft denken wir, wenn dies oder jenes erfüllt ist, dann können wir wachsen und gedeihen. Das habe ich sehr lange auch geglaubt. Immer öfter merke ich aber, dass es viel leichter ist, einfach loszugehen und dem Leben eine Chance zu geben, unsere Träume zu nähren, Stück für Stück, Schritt für Schritt. Dann darf es auch Zeiten geben, in denen das Leuchten der Blüten sich wieder verschließt, wo sich etwas wandelt und transformiert. Zeiten, wo neue Samen reifen und hinaus ins Leben getragen werden, immer wieder neu.

Die Ernte

Diese Bereitschaft und Offenheit für Veränderung, für die stetige Transformation macht uns resilient und anpassungsfähig wie den Löwenzahn. Wo auch immer seine Schirmchen landen, in der kleinsten Mauerritze kann er sich halten. Er kann dicke Schichten durchbrechen und findet immer seinen Weg. Weil er seinen Träumen vertraut und die Kraft hat, diese zu durchdringen.

Was dann noch übrig bleibt nimmt er wieder zu sich selbst zurück. Wenn ich nach der Blüte die welken Stiele ernte und einen kleinen Korb daraus mache, ist das ein ganz besonderer Moment für mich. Ein Zyklus ist abgeschlossen, Ruhe kehrt ein. Mit den Stielen flicht sich eine besondere Verbindung in mein Leben, eine Freundschaft die Jahr für Jahr immer tiefer wird. Eine bleibende Erinnerung an eine Kraft, die in uns wohnt. Tief verwurzelt, leuchtend leicht, klar und flexibel.

verschiedene Löwenzahnkörbe

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