Ein paar Zweige für den Neubeginn

Ein letztes Geschenk des Winters macht mir die alte Birke hinter dem Haus. Lange hab ich gezögert das von den Stürmen der kalten Jahreszeit abgebrochene Reisig aufzusammeln.

Nun, da der Frühling schon weit in der Tür steht, mag ich doch noch einen Korb daraus wickeln. Ein Nest für all das, was diesen Sommer neu in mein Leben kommen will. Ein Raum für alles Lebendige, wo all das sein darf, was mein Herz tragen will.

Die Birke duldet kein Zögern, sie möchte sofort beginnen. Zu schnell werden die Zweige trocken und brüchig. Also mach ich mich direkt an die Arbeit. Groß wollte er werden, mein größter bisher. Groß genug für meinen Vorrat an Nüssen. Und für all das, was mich nährt und durchs Leben trägt.

Birkenkorb mit Nüssen

Beim Fotoshooting für den letzten Korb waren dann noch mehr Zweige herunter gefallen. Die Verlockung ist groß, diese auch noch mitzunehmen. Nein, dafür hab im Moment doch überhaupt keine Zeit. Da gibt es gerade viel wichtigeres zu tun. Und wozu brauche ich überhaupt noch einen weiteren Korb?

Ich schaue nach oben, sehe die Zweige sich sanft im Winde wiegen. Etwas in mir entspannt sich. Wird lebendig. Eine leise Freude erwacht. Ich fühle die Zustimmung der Birke. Ermutigung. Dankbarkeit. Ein Kribbeln breitet sich im ganzen Körper aus wie ein wärmendes Feuer. JA! Ganz aufgeregt sammle ich die Zweige ein.

Kaum zuhause kommen auch schon die Ideen hinterher. Und das WOFÜR. Ein Geschenk für einen lieben Menschen. Die Einladung zu einem Festival. Als Beispiel zum Vorzeigen in meinen Kursen.

Dann meldet sich der Winter nochmal zu Wort. Obwohl der Frühling schon längst da ist.

Als ob er uns daran erinnern möchte, dass auch dieser noch junge Frühling irgendwann ein Ende finden wird. Dass Leben in Zyklen verläuft und Veränderung das einzig Beständige ist. Dass Vergänglichkeit der Motor des Lebens ist, im Großen wie im Kleinen. Dass nach schwierigen Zeiten das Licht wiederkommt. Das wir kahlen Boden wieder neu besiedeln können.

Die Birke als Pionierpflanze

Als Pionierbaum ist die Birke eine der ersten Baumarten, die sich auf kahlen oder gestörten Flächen ansiedelt und so den Boden bereitet für andere Baumarten. Genau so fühlt sie sich für mich auch an. Es war die erste Ernte in diesem Jahr. Ein paar Zweige nur. Doch genug für ein paar Körbe und Schalen. Genug um mit neuer Zuversicht an die Arbeit zu gehen.

Es braucht gar nicht so viel für den Anfang. Oft denken wir, wir brauchen noch dies oder jenes um etwas neu beginnen zu können, wollen perfekt vorbereitet sein. Die Birke hat mich hier eines Besseren belehrt. Es braucht einen mutigen Anfang, diesen ersten Schritt ins Unbekannte. Der Rest wird wachsen und darauf aufbauen.

Genau das erleben wir auch beim Korbwickeln. Wir fangen klein an, im Kern, in der Mitte. Und wachsen beständig, Stich für Stich, Runde um Runde. Wir müssen noch gar nicht wissen, was werden will. Die Form findet sich selbst. Wenn wir sie lassen.

Birke

Danke, liebe Birke!

Du hast mir nicht nur ein paar deiner Zweige geschenkt. Sondern auch deine Weisheit. Und danke, lieber Wind, denn du hast die Zweige für mich geerntet, und hast dabei genau die ausgewählt, die für die Birke schon alt und trocken und für mich noch genau richtig waren.

2 thoughts on “Ein paar Zweige für den Neubeginn”

  1. Dieser Beitrag berührt, ja mein „Herz fühlt sich angesprochen“. Ganz nahe an unserem Haus steht eine mächtige Birke. Vor 24 Jahren als wir das Haus gekauft haben war sie nur ca. einen halben Meter hoch und im Winter total unter dem Schnee verschwunden. Meine Meinung damals, dieser Baum kann hier nicht bleiben und doch, die Birke blieb und wir haben ihr beim wachsen zugeschaut. Jedes Jahr fallen die Blätter aber auch viele dünne Äste und natürlich werde ich sie dieses Mal nicht der Natur zurück gegeben sondern versuchen einen Korb zu binden.
    Vielen Dank und liebe Grüße Edith

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